Forschung

Die Forschung im Willumsens Museum konzentriert sich auf ausgewählte Themen innerhalb des Verantwortungsbereichs des Museums: das Werk von J. F. Willumsen, sein kreatives Schaffen und seine Kunstsammlung. Ziel der Forschung ist es, Willumsens künstlerische Praxis in einen internationalen und aktuellen Kontext einzuordnen. Die Forschungsergebnisse tragen zur Weiterentwicklung der Ausstellungs-, Sammlungs-, Vermittlungs- und Publikationsstrategie des Museums bei.

Scrollen Sie durch die Seite, um mehr über die Forschungsschwerpunkte des Museums zu erfahren.

Natural Horror. After the Storm Nr. 2, 1916, JFWillumsen

Die Ästhetik der Apokalypse

Warum kreisen die Themen Tod und Unglück seit dem 1500. Jahrhundert so leidenschaftlich um apokalyptische Motive?

Im Jahr 2023 erhielt die Museumskuratorin Anne Gregersen eine großzügige Förderung von Die Carlsberg-StiftungForschungsfonds für das Projekt „(Post)apokalyptische Ästhetik von 1500 bis heute“.

Ziel des Projekts ist es, zu untersuchen, wie sich das Apokalypsebild in der Kunst vom 1500. Jahrhundert bis heute manifestiert hat und wie sich die Bedeutung des Konzepts in jüngster Zeit gewandelt hat. Bezeichnete es früher etwas, das außerhalb unserer Kontrolle lag, so fürchten wir heute zunehmend die selbstverschuldete Zerstörung. Ausgehend von J. F. Willumsens eindringlichem Gemälde „Naturskræk. Efter stormen nr. 2“ aus dem Jahr 2016 werden die künstlerischen Darstellungen der Apokalypse und ihrer Folgen entfaltet und analysiert. Dies regt zur Reflexion darüber an, wie wir gegenwärtig von einer Welt mit Klimawandel und Naturkatastrophen betroffen sind, die das Apokalypsebild gegenwärtig und menschengemacht erscheinen lassen.

Das Forschungsprojekt wird 2026 in einer Ausstellung im Willumsens Museum münden.

 

Installationsfoto aus der Ausstellung „El Greco und die nordische Moderne“ im Willumsens Museum

Die Wiederentdeckung von El Greco

Im nordischen Kontext wurde El Greco bereits Ende der 1880er Jahre wiederentdeckt. 1888 schrieb der Künstler Johan Rohde als Erster in Dänemark über dessen Werke, die er im Museo del Prado in Madrid gesehen hatte. Durch Rohde lernte J. F. Willumsen El Greco kennen, dessen Werke er fortan selbst in Madrid und Toledo suchte. Willumsen beschrieb seine Beziehung zu dem Künstler später als „Obsession“. Als Edvard Munch spätestens 1888 mit Johan Rohde in Kontakt kam, könnte auch er schon früh von der El-Greco-Begeisterung erfasst worden sein.

J. F. Willumsens tiefes Interesse an El Greco ist gut dokumentiert und führte unter anderem zum Erwerb mehrerer Fälschungen und eines einzigen Originalgemäldes des Künstlers (das sich heute im Willumsens Museum befindet) sowie zur Veröffentlichung eines zweibändigen Werkes in französischer Sprache über El Grecos Jugend. Das Buch enthält zwar einige sachliche Fehler, ist aber bahnbrechend in seiner Suche nach ethnografischem Material und der Erforschung von El Grecos Arbeitsweise. Willumsen zeigt, wie der Künstler seine hybride Bildsprache entwickelt, indem er künstlerische Ausdrucksformen und Traditionen von Ort zu Ort wandern lässt und so die geografischen Grenzen aufbricht, die die Schulen älterer Kunst definierten.

Das Forschungsprojekt mündete in die Ausstellung „El Greco und die nordische Moderne“.

Willumsen und Kirchner im Willumsen-Museum

J. F. Willumsen und Ernst Ludwig Kirchner

Während des Ersten Weltkriegs entschieden sich die deutschen Künstler Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) und Jens Ferdinand Willumsen (1863–1958), jeweils ihre eigenen individuellen Projekte zu verwirklichen und sich den Strömungen der Zeit zu entziehen. Ab 1917 fanden die Schweizer Berge Zuflucht für den psychisch angeschlagenen Kirchner, während Willumsen sich 1916 in Südfrankreich niederließ und, wie er viele Jahre später ausdrückte, zur Ruhe kam. Keiner der beiden kehrte in seine Heimat zurück, sondern widmete den Rest seines Lebens der Verwirklichung einer persönlichen künstlerischen Vision im selbstgewählten Exil.

Mit der Ausstellung Inszenierte Natur und Leben. Ernst Ludwig Kirchner und Jens Ferdinand Willumsen – die späten Werke Es war das erste Mal, dass eine Ausstellung und ein Begleitbuch Willumsens Werk mit zeitgenössischen Strömungen der deutschen Kunstszene – und insbesondere mit einem der wichtigsten Vertreter des deutschen Expressionismus, dem bildenden Künstler Ernst Ludwig Kirchner – in Verbindung brachten. Die Ausstellung war zudem die erste große Präsentation Kirchners in einem dänischen Museum.

Willumsens Briefe – Briefarchiv der New Carlsberg Foundation

Willumsens Briefarchiv

Konzentrieren Sie sich auf Willumsen und seine Zeitgenossen

J. F. Willumsen war mit seinem pluralistischen Stil und seinem vielseitigen Schaffen eine einzigartige Persönlichkeit der dänischen Kunst. Er war zudem ein fleißiger Briefschreiber, wie sein umfangreiches und mittlerweile digitalisiertes Briefarchiv belegt.

Ein Großteil des Briefarchivs von J. F. Willumsen ist nun online auf der digitalen Plattform „Quellen der dänischen Kunstgeschichte“ (KTDK) verfügbar. Eine Reihe von Korrespondenzen mit Kollegen und Kritikern zeigt, wie Willumsens Werke, sein Kunstwissen und seine Persönlichkeit in der zeitgenössischen Welt, im In- und Ausland, Bewunderung und Empörung hervorgerufen haben.

Über Quellen zur dänischen Kunstgeschichte

Die Digitalisierung ist Teil von Neue Carlsberg-Stiftung große Wette Quellen zur dänischen Kunstgeschichte, KTDK, Die Stiftung stellt Mittel und eine digitale Plattform für die Digitalisierung und Zugänglichkeit von Quellen bereit. KTDK umfasst auch die Digitalisierung und Zugänglichkeit einer Reihe weiterer Sammlungen von Quellenmaterial über dänische Künstler und Künstlergruppen.

Installationsansicht der Ausstellung Ekkoroum

Willumsens eigene Kunstsammlung – Alte Sammlung

Willumsens eigene Kunstsammlung umfasst etwa 2.000 Objekte. Willumsen selbst stellte sich diese Sammlung in seinem imaginären Museum als ein Echo-Raum und nannten es einen „Anhang“ oder eine Ergänzung. Als das Willumsens Museum 1957 eröffnet wurde, war Willumsens Sammlung bereits fertiggestellt und in einem Lagerhaus verstaut. Nur wenige Male in den letzten sechzig Jahren wurde ihr besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Mit „EKKORUM. Thorvaldsen, Willumsen. Jorn und ihre Sammlungen“ betrachten wir die Sammlung mit neuen Augen und stellen Verbindungen zu ausgewählten Teilen der Sammlungen von Bertel Thorvaldsen (1770–1844) und Asger Jorn (1914–1973) her. Allen drei Künstlern gemeinsam ist ihr fast schon manischer Aufbau umfangreicher Kunstsammlungen von Nordeuropa bis Ostasien und ihr Wunsch, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Spätwerke von JF Willumsen

Die Carlsberg-Stiftung hat ein Projekt durch zwei großzügige Fördergelder unterstützt. Doktorgrad erhöht Postdoktorandenprojekt In den Jahren 2011–2019 forschte ich am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Willumsens Museum. Mein Promotionsprojekt befasste sich mit der Rezeption von Willumsens Spätwerk und dessen Neuinterpretation. Mein Postdoc-Projekt untersuchte von Künstlern kuratierte Ausstellungen, die auf der Ausstellungsgeschichte des Museums basierten.