4. März bis 4. Juni 2023

El Greco und die nordische Moderne

Diese Ausstellung basiert auf der Auseinandersetzung von JF Willumsen und anderen Künstlern mit dem griechischen Maler Domenikos Theotokopoulos (1541-1614), bekannt als El Greco.

Die Ausstellung untersucht die Rezeption (und Konstruktion) von El Greco durch eine Reihe nordischer Künstler in der Zeit von etwa 1885 bis 1940, als der Künstler in weiten Teilen Europas kultisch verehrt wurde.

Die Ausstellung umfasst unter anderem Werke von El Greco, Johannes Bjerg, Franciska Clausen, Nils Dardel, Harald Giersing, Isaac Grünewald, Frøydis Haavardsholm, Olivia Holm-Møller, Georg Jacobsen, Jens Adolf Jerichau, Gerda Knudsen, Per Krohg, Karl Larsen, Vilhelm Lundstrøm, Edvard Munch, Kai Nielsen, Vera Nilsson, Olof Sager-Nelson, Johan Rohde, Helene Schjerfbeck, Henrik Sørensen, Vilhelm Wanscher, JF Willumsen und das Tanzensemble Ballets Suédois.

Ausstellungsfilm

El Greco und die nordische Moderne. Wie ein Kind, das schneidet und sammelt.

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Die Wiederentdeckung von El Greco

In der zweiten Hälfte des 1800. Jahrhunderts begannen Künstler und Kunsthistoriker gleichermaßen, El Greco und seine unverwechselbare, ekstatische und ausdrucksstarke Malerei wiederzuentdecken, die als unmittelbar mit der modernen Kunst verbunden wahrgenommen wurde. Diese Wiederentdeckung begann in Frankreich, verbreitete sich aber später unter anderem auch in Deutschland. In Spanien wurde El Greco zu einer Nationalfigur, die die spanische Kultur und den spanischen Geist in besonderer Weise verkörperte.

Was als „pathologisch“ verzerrte Bildsprache beschrieben wird, wird von den Künstlern kultiviert und wird allmählich Teil der Suche der modernen Kunst nach neuen Ausdrucksformen. Von Pablo Picasso bis zur Künstlergruppe Der Blaue Reiter lässt sich eine tiefe Auseinandersetzung mit El Grecos formalem Werk mit verzerrten Perspektiven, übertriebenen Effekten, deformierter Anatomie, phosphoreszierenden Lichteffekten und bewusster Farbdissonanz beobachten. Auch die stark emotionalen und gestischen Ausdrucksformen werden von den Künstlern studiert und interpretiert.

Ab etwa 1910 galt El Greco als Prophet der modernen Kunst, und seine Gemälde wurden in Ausstellungen, Büchern und Zeitschriften Werken seiner Zeit gegenübergestellt. Die Inszenierung El Grecos als Prophet und Kultfigur erfolgte sowohl durch die Auseinandersetzung mit seinem Werk als auch durch seine Lebensgeschichte, die seinen extravaganten und selbstverherrlichenden Lebensstil sowie die 300 Jahre im Schatten als Außenseiter umfasste und ihn zu einem Vorbild für junge Künstler machte. Mit El Greco entstand eine persönliche und eigenwillige Verbindung zur Vergangenheit, die die akademischen Normen umging.

El Greco und die nordischen Künstler

Im nordischen Kontext wurde El Greco bereits Ende der 1880er Jahre wiederentdeckt. 1888 schrieb der Künstler Johan Rohde als Erster in Dänemark über dessen Werke, die er im Museo del Prado in Madrid gesehen hatte. Durch Rohde lernte J. F. Willumsen El Greco kennen, dessen Werke er fortan selbst in Madrid und Toledo suchte. Willumsen beschrieb seine Beziehung zu dem Künstler später als „Obsession“. Als Edvard Munch spätestens 1888 mit Johan Rohde in Kontakt kam, könnte auch er schon früh von der El-Greco-Begeisterung erfasst worden sein.

J. F. Willumsens tiefes Interesse an El Greco ist gut dokumentiert und führte unter anderem zum Erwerb mehrerer Fälschungen und eines einzigen Originalgemäldes des Künstlers (das sich heute im Willumsens Museum befindet) sowie zur Veröffentlichung eines zweibändigen Werkes in französischer Sprache über El Grecos Jugend. Das Buch enthält zwar einige sachliche Fehler, ist aber bahnbrechend in seiner Suche nach ethnografischem Material und der Erforschung von El Grecos Arbeitsweise. Willumsen zeigt, wie der Künstler seine hybride Bildsprache entwickelt, indem er künstlerische Ausdrucksformen und Traditionen von Ort zu Ort wandern lässt und so die geografischen Grenzen aufbricht, die die Schulen älterer Kunst definierten.

Die Faszination von El Greco

Willumsen war jedoch bei weitem nicht der einzige nordische Künstler, der von El Greco fasziniert war und dazu beitrug, die Kunstgeschichte neu zu schreiben, indem er seine Originalität und Bedeutung betonte. Andere Künstler suchten El Grecos Werke in Madrid und Toledo auf, sahen sie auf Ausstellungen in Deutschland oder studierten Reproduktionen. Es bestehen direkte und indirekte Verbindungen zwischen El Greco und nordischen Künstlern wie Helene Schjerfbeck, Jens Adolf Jerichau, Vilhelm Lundstrøm, Henrik Sørensen, Johannes Bjerg, Franciska Clausen, Nils Dardel, Harald Giersing, Isaac Grünewald, Frøydis Haavardsholm, Olivia Holm-Møller, Georg Jacobsen, Gerda Knudsen, Per Krohg, Karl Larsen, Edvard Munch, Kai Nielsen, Vera Nilsson, Johan Rohde, Olof Sager-Nelson und Vilhelm Wanscher. Im Jahr 1920 führte das schwedische Avantgarde-Tanzensemble Ballets Suédois eine Aufführung mit dem Titel El Greco auf, mit der es durch Europa tourte.

El Greco und die nordische Moderne – Williamsen Museum – Installationsfoto
Installationsansicht aus einem gelben Raum in der Ausstellung El Greco und die nordische Moderne
Installationsansicht aus einem roten Raum der Ausstellung El Greco und der nordische Modernismus
Installationsansicht aus einem blauen Raum der Ausstellung El Greco und der nordische Modernismus
El Greco und die nordische Moderne – Williamsen Museum – Installationsfoto
Titelbild für den Ausstellungskatalog El Greco

El Greco und die nordische Moderne. Wie ein Kind, das schneidet und sammelt. Ein Katalog ist beigefügt. Der dänische Katalog ist vergriffen, kann aber im Museumsshop auf Englisch erworben werden.

Die Forschung wird von der Novo Nordisk Stiftung und dem Forschungsfonds des Kulturministeriums unterstützt.

Die Ausstellung wird unterstützt von: 

15. Juni Stiftung – AP Møller Stiftung – Aage und Johanne Louis-Hansen Stiftung –  Die Arne V. Schlesch-Stiftung – Augustinus-Stiftung –   Stiftung von Königin Margrethe und Prinz Henrik – Beckett-Stiftung – Stiftung von Knud Højgaard – Stiftung von Konsul George Jorck und seiner Frau Emma Jorck