Von klassisch bis queer

Von klassisch bis queer vom Spaziergang in Richtung Orlando Lærke Posselt Lea Guldditte Hestelund

Queer. In einer Zeit, in der traditionelle Geschlechteridentitäten in Frage gestellt werden und das Männliche und Weibliche zwischen Mann und Frau neu interpretiert und verschoben werden, lohnt es sich, JF Willumsens normbrechende, künstlerische Arbeit mit dem weiblichen Modell neu zu betrachten.

Wenn der Klassiker queer wird

In ihren Atelierzeichnungen, Porträts und Figurenbildern, die oft einen aktiven und kraftvollen weiblichen Körper zeigen, untersucht und hinterfragt Willumsen das Weibliche. Mal als Motiv, mal als Konzept oder als treibende Kraft des künstlerischen Prozesses. Von den frühen Modellstudien an der Kunstakademie bis zu den karikaturhaften Porträts der späteren Jahre wandelt sich das Weibliche in der Linie der Künstlerin. Mal klassisch, idealisiert und traditionell feminin, mal suchend und abweichend, mit überraschenden Überschneidungen zwischen männlicher und weiblicher Identität und Ausdrucksweise.

Seiner Zeit voraus

Heute wird der Begriff „queer“ allgemein verwendet, um alles zu beschreiben, was von der Norm abweicht. Das Wort bedeutet ursprünglich „seltsam“ oder „queer“. Früher wurde es abwertend für alles verwendet, was von den gängigen Normen abwich – insbesondere im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung. In Willumsens weiblichen Motiven entsteht das, was man als „queer“ bezeichnen könnte, im Bruch mit den Geschlechterrollen seiner Zeitgenossen. Willumsen – seiner Zeit voraus – ließ sich nie von diesen Rollen einengen. Stattdessen stellte er sie in hybriden Darstellungen von Menschen mit sowohl männlichen als auch weiblichen Zügen in Frage.

Willumsens im Dialog mit zeitgenössischer Kunst

In der zeitgenössischen Kunst sind Geschlecht und Körperidentität wichtige Themen, die anders behandelt werden als zu Willumsens Zeiten. Die Begegnung der Werke in der Ausstellung ermöglicht es daher, Parallelen über die Zeit hinweg zu erkennen. Die Ausstellung gewährt Einblick in einen unvoreingenommenen künstlerischen Prozess, der sich auf forschende und unvoreingenommene Weise mit Geschlecht, Sexualität und Körperausdruck auseinandersetzt – ein Prozess, der sich heute immer mehr in der Gesellschaft entfaltet.

Die Begegnung von Willumsens Kunst und Collage, Fotografie, Zeichnung und Skulptur sowie von Kunstwerken aus den 1960er Jahren bis heute hebt neue Aspekte in Willumsens bekannten Werken hervor, wie zum Beispiel Das große Relief og Diana ist eine Jägerin.  Gleichzeitig zeigt der Vergleich, wie die Kunst der letzten fast 150 Jahre die Bilder widerspiegelt, die das kulturelle Verständnis von Frauen und dem Weiblichen definieren und in Frage stellen, aber auch neu erschafft – Von klassisch bis queer. 

Beteiligte Künstler: JF Willumsen, AK Dolven, Ester Fleckner, Lea Guldditte Hestelund, Per Kirkeby, Lærke Posselt und Ugo Rondinone.