
Krumme Linien
25. Januar – 27. August 2017
Krumme Linien Viele kennen Willumsens Gemälde, und die meisten wissen auch, dass er neben der Malerei ein begabter Architekt, Fotograf, Keramiker, Bildhauer und Grafiker war. Doch nur wenige wissen, wie umfangreich sein grafisches Schaffen tatsächlich war. Er fertigte Radierungen, Lithografien, Plakate und Holzschnitte an – von schlichten bis hin zu karikaturhaften und technisch anspruchsvollen Werken.
Im Gegensatz zu der farbenprächtigen Welt, für die Willumsen in seinen Gemälden bekannt ist, entführt uns sein grafisches Schaffen in eine eher monochrome Welt. Obwohl er auch in einigen Grafiken mit Farbe experimentiert, dominieren die kontrastierenden Begegnungen zwischen hellen und dunklen Flächen, die mitunter das karikaturhafte Element in seinen Figurenzeichnungen verstärken.
Skandalkunst
Ende des 1800. Jahrhunderts arbeitete Willumsen hauptsächlich mit Radierungen. Fruchtbar (1891) Die Radierung, die heute als ein Hauptwerk der dänischen Symbolismuskunst gilt, zeigt Willumsens schwangere Frau Juliette Meyer neben einer Maisähre und einem französischen Text. Sowohl die Motivwahl als auch die Ausführung riefen damals heftige Reaktionen hervor. Manche hielten das Bild für das Werk eines fünfjährigen Kindes, andere forderten ein Verbot durch die Polizei.
Möglicherweise aufgrund all der Kontroversen vergingen 25 Jahre, bis Willumsen die Radiertechnik wieder aufnahm.
Plakatkunst
Willumsen wandte sich stattdessen dem lithografischen Plakat zu. Das dänische Plakat erlebte Mitte der 1890er Jahre einen künstlerischen und quantitativen Durchbruch. Bis 1910 entwarf Willumsen Anzeigen für verschiedene Produkte, darunter Seife, Champagner und Bier. Die Brauerei Tuborg veranstaltete einen Plakatwettbewerb. Willumsen gewann den ersten Preis von 10.000 Kronen mit dem Bild eines Mannes, der seinen Kopf zum Schlucken zurücklehnt. Sein Entwurf wurde jedoch nie umgesetzt, da der Direktor von Tuborg ein ikonisches Bild des verschwitzten, biertrinkenden Mannes auf einer sonnigen Landstraße verwenden wollte.
Verzerrte Motive
Während des Ersten Weltkriegs schuf Willumsen eine Reihe eindrucksvoller Radierungen, in denen er seine Empörung über die Schrecken des Krieges zum Ausdruck brachte. Das Groteske tritt im Alltäglichen zutage, und die Grenze zwischen tierischem und menschlichem Verhalten verschwimmt. Selbst in den Porträts von Willumsens Frau und Kindern wirken mehrere Realitäten gleichzeitig. In den 1940er Jahren wandte er sich wieder der Lithografie zu. Die Schrecken des Krieges sind vergangen, doch Gesichter und Körper sind weiterhin verzerrt.
Unter anderem fertigt er eine Reihe von Drucken einer farbenfrohen Galerie von Menschen aus einem französischen Café an, die in einem cartoonartigen Stil skizziert sind, der sich auch in seinen Gemälden aus dieser Zeit wiederfindet.
„Krumme Linien“ Die Ausstellung präsentiert eine große Auswahl von Willumsens grafischen Werken, von denen viele heute als Meisterwerke der dänischen Kunst gelten. Neben der chronologischen und stilistischen Präsentation bietet das Museum Einblicke in die verschiedenen grafischen Techniken. Während der gesamten Ausstellungsdauer haben Besucher die Möglichkeit, in unserer Werkstatt eigene Grafiken anzufertigen.
