NIETZSCHE

Friedrich Nietzsche lässt sich nicht ignorieren. Seine philosophischen Ideen zum Willen zur Macht, zur Sklavenmoral und zur Erhebung des Übermenschen wurden von seiner Schwester grob verzerrt und an Hitler weitergegeben. Lange vor Hitler war Nietzsche jedoch eine wichtige Inspirationsquelle für viele Künstler, darunter nordische wie Willumsen, Munch, Strindberg, Vigeland und Tegner. Strindberg wurde sein erster internationaler Schüler – er schrieb ihm begeisterte Briefe. Strindberg faszinierten die Ideen vom Überleben der Starken und dem Untergang der Schwachen sowie das Ideal der Freiheit.

Nietzsches Bruch mit den bürgerlichen Normen spiegelte sich auch in seinem Privatleben wider. 1882 gründete er mit der russisch-jüdischen Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé und dem jüdischen Philosophen Paul Rée eine enge intellektuelle und persönliche Freundschaft. Sowohl Nietzsche als auch Rée waren von Lou Andreas-Salomé tief fasziniert. Nietzsche machte ihr sogar zweimal einen Heiratsantrag, wurde aber beide Male entschieden zurückgewiesen. Stattdessen schlug sie ihm etwas anderes vor: eine Gemeinschaft, in der die drei als freie Denker zusammenleben und -arbeiten könnten.

Diese Ménage à trois ist auch Gegenstand des Films von 1977. Jenseits von Gut und Böse von der italienischen Regisseurin Liliana Cavani (von Der Nachtportier Der Film, in dem unter anderem eine Flasche in Rées Gesäß eingeführt wird, stellt das berühmte Foto der drei aus Luzern nach.

Übrigens wurde Nietzsche von den verschiedenen Kommunisten, die regelmäßig in meinem Elternhaus zu Gast waren, als rechtsradikal und frauenfeindlich gehasst und verachtet. Als ich mit neunzehn Jahren die Thiel Gallery in Stockholm besuchte, war meine Faszination für Nietzsche auf dem Höhepunkt. Das Selbstporträt, das ich für meine Bewerbung an der Königlich Dänischen Akademie der Schönen Künste verwendete, trug den Titel: Auf dem Weg nach ZarathustraNach Nietzsches Buch. Voller Ehrfurcht stieg ich die Treppe hinauf ins oberste Stockwerk, wo Nietzsches Totenmaske in einem kleinen Raum ausgestellt war.

Da die originale Totenmaske stets dort verbleiben muss, ruhend auf einem kleinen Kissen in einem Glaskasten, handelt es sich bei der in der Ausstellung gezeigten Version um eine exakte Kopie, die anhand eines 3D-Scans erstellt wurde.