Weißer Titel: Was ich noch nie zuvor gesehen habe

Parkausstellung von Camilla Berner

22. April – 7. Januar 2024

„Ein verborgener Schatz aus der Museumszeitschrift findet nun seine Relevanz im zeitgenössischen Kontext.“

I Was ich noch nie zuvor gesehen habeDie bildende Künstlerin Camilla Berner ist eingeladen, mit Willumsen und dem Willumsen Museum in einen Dialog zu treten. Berner zählt zu den profiliertesten dänischen Künstlerinnen der Gegenwart. Seit vielen Jahren arbeitet sie interdisziplinär an der Schnittstelle von Wissenschaft, Botanik, Soziologie und Kunst. Ausgehend von J. F. Willumsens weitgehend unbekanntem Herbarium entfaltet sich Berners Ausstellung als Untersuchung von Konzepten über die Fremde og exotisch. Sie kommt der Faszination für das Exotische sehr nahe und zeigt, wie diese Faszination oft im Wege stand und immer noch steht, das zu sehen, was buchstäblich direkt vor unseren Füßen liegt – die nahe, gewöhnliche, aber vielleicht auch beschämende Natur.

Durch Berners neue ortsspezifische Arbeiten wird die Studie in drei Teilen und auf drei verschiedene Arten präsentiert: teils in einer Ausstellungshalle des Museums, teils im Park des Museums und teils an ausgewählten Orten im Freien in der Umgebung.

Willumsens Reise nach Amerika

Im Jahr 1900 reiste Willumsen nach New York, in der Hoffnung, dort eine internationale Karriere zu starten. Die Begegnung mit der neuen, für ihn fremden Welt war überwältigend. Er war fasziniert vom pulsierenden Leben der Großstadt, aber auch von der unberührten Natur in der Umgebung von New York, und begann, in großem Umfang Pflanzen zu sammeln.

In einem Brief vom 23. Juni 1900 an seinen Freund Johan Rohde schildert er seine Begegnung mit der amerikanischen Natur wie folgt: „Die Wälder bergen unzählige Pflanzen, Bäume wie Kräuter, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Die Vielfalt ist hier enorm. Ich habe begonnen, ein Herbarium anzulegen, das mir bei meiner Kunst helfen soll. Die äußeren Eindrücke sind so aufdringlich, dass ich mein inneres Leben vorerst zum Schweigen bringen muss.“ Auf dem Rückweg nach Dänemark sammelt er während eines Zwischenstopps in der Schweiz weiterhin Pflanzen, die dann in 14 großen Ordnern gesammelt werden und Teil der Sammlung des Museums sind.

In Berners Händen fand Willumsens Treffen mit und Sammlung der Fremde Die Natur gewinnt heute neue Bedeutung und trägt durch ihre künstlerische Auseinandersetzung zu einem tieferen Verständnis unserer Beziehung zur Natur bei. Was nehmen wir wahr? Warum schenken wir dem einen besondere Aufmerksamkeit und dem anderen nicht? Was hat einen besonderen Wert? Und woran gehen wir achtlos vorbei?

Fremd und exotisch

Berners Arbeiten werden sich darum drehen, wie der Blick unsere Reise durch die Welt lenkt und wie unser kulturelles Gepäck uns dazu verleiten kann, absolut wesentliche Elemente zu übersehen. Berner hat zusammen mit dem Biologen Jon Feilberg Willumsens Herbarium untersucht, und es stellte sich heraus, dass die von Willumsen gesammelten Arten gar nicht so exotisch sind. Im Gegenteil, es handelt sich eher um europäische Arten, die in die nordamerikanische Natur eingeschleppt wurden – auch in den Jahren, in denen Willumsen sie sah und sammelte. Fremde og exotisch, dem Willumsen begegnete, war also überhaupt nicht ausländisch oder exotischFür Willumsen – Entdecker, Tourist, fern der Heimat und getrieben von der Suche nach Neuem – muss es jedoch so gewesen sein. Durch seine Augen gesehen, erschien diese Natur ausländisch og exotisch und hat Anlass zum Sammeln und zur besonderen Wertschätzung gegeben.

Mit einer Neubewertung dieses exotischen Blicks erforscht Berner, wie wir dem, was uns umgibt, wieder Wert verleihen können, indem wir es einfach bewusster wahrnehmen. Indem wir unseren Blick schulen, die Magie und Vielfalt der alltäglichen Natur besser zu entdecken, sind wir auch besser gerüstet, bessere Bedingungen für ihr Überleben zu schaffen. Berner nähert sich den Pflanzen. Sehr nahe, sodass selbst das unsichtbare Innere, das Wurzelwerk und die mikroskopisch kleinen Polleneinheiten sichtbar werden. Durch Berners künstlerische Aufmerksamkeit wird eine Welt wilder Formen und überraschender Vielfalt enthüllt, die uns direkt umgibt – jeden Tag.

Ein Ausstellungsraum mit stark vergrößerten Abbildungen von getrockneten Blumen und Blütenpollen

Komm in den Maschinenraum.

Die Innenrauminstallation ist ein geschlossener Raum, dessen Außenwand aus rohem, unbehandeltem Holz besteht. Im Inneren empfängt den Besucher ein klassischer Museumsraum mit Vitrinen und gedämpftem Licht. Hier wird Willumsens Herbarium präsentiert, zusammen mit Nahaufnahmen ausgewählter Herbariumblätter, die uns die sonst kleinen, teils mikroskopischen oder verborgenen Pflanzenteile aus nächster Nähe betrachten lassen. Das Herbarium dient hier als Herzstück und Motor für das Verständnis des Gesamtwerks und zeugt von einem äußerst feinfühligen Umgang mit den ästhetischen Qualitäten und Besonderheiten der Pflanzen. Die Bedeutung und der Wert von Willumsens übrigem künstlerischen Schaffen kehren sich um. Sein 120 Jahre lang verborgenes Inspirationsmaterial wird nun sichtbar und erhält einen neuen Wert. In einem gedruckten Blätterkatalog in der Ausstellungshalle kann das Publikum auf das umfangreiche Herbarium mit fast 400 Einträgen zugreifen.

Katalog

Die Ausstellung wird von einem reich bebilderten Ausstellungskatalog begleitet, in dem die Themen der Ausstellung durch weiterführende Texte aus verschiedenen Fachbereichen beleuchtet werden.

Darüber hinaus werden sämtliche Herbariumsblätter Willumsens digital zugänglich gemacht und in einer analogen Blattprobe in der Ausstellung präsentiert. Dieses Material wurde der Öffentlichkeit noch nie vollständig gezeigt. Es handelt sich somit um einen verborgenen Schatz aus der Museumszeitschrift, der nun in einem zeitgenössischen Kontext seine Relevanz erlangt.

Das Cover des Katalogs zur Ausstellung „Was ich noch nie zuvor gesehen habe“